Wirtschaft Automobilbau

“Die Automobilindustrie ist die größte Branche des Verarbeitenden Gewerbes und gemessen am Umsatz der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland. Die Unternehmen der Branche erwirtschaften einen Umsatz von rund 423 Milliarden Euro und beschäftigen direkt über 820.000 Personen (2017). Die Automobilindustrie hat daher eine sehr hohe Bedeutung für Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland.

Die Fahrzeughersteller tragen gut drei Viertel zum Gesamtumsatz der Automobilindustrie bei. Knapp zwei Drittel des Umsatzes erzielt die Automobilindustrie im Ausland, insbesondere in den Ländern der Europäischen Union.

Die Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie ist sehr stark ausdifferenziert. Die Fahrzeugfertigung erfordert den Zukauf von Teilen, Komponenten und Rohstoffen, so dass auch Branchen, die vordergründig wenig mit dem Automobilbau zu tun haben, an der Herstellung von Kraftfahrzeugen beteiligt sind und davon profitieren. Dazu gehören Investitionsgüter, Material- und Teilelieferungen unter anderem aus der chemischen Industrie, der Textilindustrie, dem Maschinenbau, der elektrotechnischen Industrie sowie der Stahl- und Aluminiumindustrie. Außerdem sind Ingenieurbüros, Autohändler, Werkstätten und Tankstellen, aber auch weitere Dienstleistungen rund um das Auto direkt oder indirekt von der Automobilkonjunktur abhängig.

Mit der verstärkten Arbeitsteilung und der Nachfrage nach Vorleistungen erwirtschaften die vorrangig mittelständisch geprägten Zulieferer mittlerweile den Großteil der Wertschöpfung (etwa 70 Prozent) der Automobilindustrie in Deutschland. Im Laufe der Jahre haben die Unternehmen hier Systemkompetenzen aufgebaut, um der zunehmenden Verflechtung von Herstellern und Lieferanten von Teilen und Komponenten aus verschiedenen Industrie- und Dienstleistungszweigen gerecht zu werden. Diese charakteristisch enge Systemlandschaft der deutschen Automobilindustrie ist weltweit einzigartig.

Eine zentrale Säule des weltweiten Erfolgs der deutschen Automobilindustrie ist ihre Innovationsführerschaft. Im Jahr 2016 hat die deutsche Automobilindustrie ihre weltweiten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) auf 40,2 Milliarden Euro erhöht. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt sie an der Spitze vor japanischen und amerikanischen Unternehmen. Laut Europäischer Kommission kommt rund ein Drittel der gesamten weltweiten FuE-Ausgaben der Automobilbranche von der deutschen Automobilindustrie. Im Inland hat die deutsche Automobilindustrie ihre Ausgaben für FuE auf 21,9 Milliarden Euro gesteigert (+2 Prozent gegenüber Vorjahr). Damit erreicht die deutsche Automobilindustrie erneut den höchsten FuE-Anteil in der deutschen Wirtschaft (rund 35 Prozent).

Im nationalen sowie internationalen Wettbewerb genießen vor allem qualitativ hochwertige Premiumfahrzeuge aus Deutschland ein hohes Ansehen, die fortwährend technischer Innovationen und Verbesserungen bedürfen. Die deutsche Automobilindustrie gilt hier als weltweiter Impulsgeber für Produkt- und Prozessinnovationen. Enge Unternehmensnetzwerke und intensive wissenschaftliche Kooperationen zwischen Automobilunternehmen und Forschungsinstituten bzw. Hochschulen ermöglichen die fachübergreifende Entwicklung von einzigartigen Innovationen. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass das Beschäftigungsniveau in der Automobilindustrie am Hochlohnstandort Deutschland seit über zwanzig Jahren gehalten werden und in den letzten Jahren sogar noch zulegen konnte.

Der Automobilstandort Deutschland lebt von offenen Märkten und vom Export. Mehr als 77 Prozent der in Deutschland produzierten Pkw werden exportiert, was Deutschland bei Autos zum Exportweltmeister macht. Deshalb ist der Zugang zu Auslandsmärkten ein zentrales Thema für die deutsche Automobilindustrie. Allerdings erschweren immer mehr handelshemmende Maßnahmen vieler Länder die Ausfuhr. Dies führt im Ergebnis zu einer Verzerrung des Wettbewerbs und belastet die Industrie im Exportland ebenso wie die Konsumenten in den Importländern. Auf Grund solcher Restriktionen und vor dem Hintergrund der Globalisierung errichtet auch die deutsche Automobilindustrie zunehmend Werke in den wachstumsstarken Regionen im Ausland. Dadurch können auch Arbeitsplätze im Inland gesichert und neu geschaffen werden, z. B. im FuE-Bereich und in der Modellentwicklung. Das BMWi arbeitet mit allem Nachdruck auf weltweit offene Märkte und fairen Marktzugang hin.

Angesichts einer zunehmenden internationalen Konkurrenz, steigenden Anforderungen zur Emissionsminderung, der Markteinführung alternativer Antriebstechnologien, der stufenweisen Entwicklung des sicheren automatisierten und vernetzten Fahrens und Veränderungen des Mobilitätsverhaltens der Menschen steht die Automobilindustrie vor großen Herausforderungen. Diese und andere Entwicklungen werden die automobilen Wertschöpfungsketten in den nächsten Jahren deutlich verändern und neue Geschäftsmodelle werden sich etablieren.

Wir wollen, dass die Automobilindustrie mit ihren Partnern weiterhin am Standort Deutschland produziert, investiert, forscht und beschäftigt. Dafür müssen die Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet und verbessert werden. Dafür setzt sich das BMWi ein.

Eine wichtige Maßnahme in diesem Zusammenhang ist der im Jahr 2015 begonnene “Branchendialog Fahrzeugindustrie” (PDF: 5 MB). In einem ergebnisorientierten Dialog mit der Automobilindustrie und den Gewerkschaften werden konkrete Vorschläge für Maßnahmen und deren Umsetzung identifiziert, die dazu beitragen, den Standort und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen der Automobilindustrie in Deutschland nachhaltig zu stärken.”[Quelle:BMWi]

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